Shooting-Bildauswahl ohne WhatsApp-Chaos: mein neuer Weg

„Wann kann ich die Bilder sehen?“

Die Frage kommt meistens noch auf dem Parkplatz. Das Shooting ist gerade fertig, die Haare noch nicht wieder normal, und das Model tippt schon die erste Nachricht. Ich kann es ihnen nicht verdenken – ich würde auch wissen wollen wie es aussieht.

Die ehrliche Antwort war lange: „In ein paar Tagen.“ Karte in den Rechner, Import in Lightroom, warten bis die Vorschauen gerendert sind. Dann sichten, aussortieren, exportieren. Und dann, irgendwann, ein freigegebener Ordner mit einem Link den man nicht mehr findet, weil er in einer Nachricht von vor drei Tagen steckt.

Das Feedback kam dann per WhatsApp. Ihr wisst wie das läuft.

„Das zweite von links auf der dritten Seite.“
„Warte, welche Seite meinst du?“
„Na das mit dem roten Hintergrund.“
„Welches mit dem roten Hintergrund, ich hab da zwölf.“

Warum das Model nicht warten sollte

Models sind oft neugieriger und schneller als ich. Die Energie vom Shooting ist noch da, das Gefühl für die Bilder auch – und genau in diesem Moment ist ihr Feedback am wertvollsten. Nicht drei Tage später, wenn die Erinnerung verblasst ist.

Das andere, was ich gelernt habe: ein Model das seine Favoriten selbst markiert, macht mir einen großen Teil der Vorauswahl. Sie wissen welche Pose sich gut angefühlt hat, welcher Blick echt war, welches Bild sie selbst zeigen würden. Das ist Information die ich vom Bildschirm allein nicht lese. Wie das im Detail mit Modell und Visa gemeinsam ausschaut, habe ich ausführlicher aufgeschrieben.

Also wollte ich genau das ermöglichen: Bilder teilen, solange die Erinnerung noch frisch ist.

Wie es jetzt läuft

Viele Kameras können schon beim Shooting bewerten – ich markiere die besten Momente direkt nach dem Klicken, noch bevor wir die Location verlassen. Zuhause kommt die Karte in den Rechner, und ich gehe einmal flott mit FlashView durch den Ordner – eine schnelle grobe Sichtung, ein paar Highlights, offensichtlicher Ausschuss raus. Das dauert keine halbe Stunde.

Dann kommt StarRate ins Spiel: der Ordner wird freigegeben, das Model bekommt einen Link – und kann die Bilder noch am selben Abend im Browser durchgehen. Keine App, kein Account, kein Nextcloud-Login. Einfach Link öffnen und anfangen.

StarRate Grid-Ansicht: alle Fotos mit Sternebewertungen auf einen Blick
Grid-Ansicht in StarRate – alle Bilder eines Shootings auf einen Blick, mit Bewertungen direkt sichtbar.

Das Model sieht die Bilder, klickt ihre Favoriten an, vergibt Sterne. Ich sehe die Auswahl, und wenn ich dann Lightroom aufmache, sind die Bewertungen bereits da – direkt in den Dateien, kein Re-Import nötig.

Loupe-Ansicht: Einzelbild mit Sternebewertung und Farb-Labels
Loupe-Ansicht für das Einzelbild – Sterne und Farb-Labels per Tastatur, genau wie in Lightroom.

Was das für das Model bedeutet

Guest-Ansicht auf dem Smartphone: das Model wählt ihre Favoriten aus
So sieht es auf dem Handy aus – das Model öffnet den Link, tippt durch die Bilder und markiert ihre Favoriten. Kein Account, keine App.

Keine WhatsApp-Koordination mehr. Kein „das zweite von links“. Stattdessen eine Galerie die sich wie eine echte Zusammenarbeit anfühlt: das Model entscheidet mit, hat eine Stimme, sieht das Ergebnis noch während die Energie vom Shooting da ist.

Und ich bekomme eine Vorauswahl von jemandem der die Bilder mit anderen Augen sieht als ich. Meistens überraschend gut.

StarRate – das Tool dahinter

StarRate ist ein Addon für Nextcloud – also für alle die ihre Fotos sowieso schon selbst hosten. Es bringt den Lightroom-Rating-Workflow direkt in den Browser: Sterne, Farb-Labels, Pick/Reject, alles per Tastatur oder Mausklick. Und der entscheidende Punkt: die Bewertungen landen als XMP direkt in der Datei. Lightroom, digiKam, darktable – alle lesen sie einfach raus. Wie Nextcloud als Foto-Heimat funktioniert, habe ich separat beschrieben.

Share-Dialog: Guest-Link erstellen mit Pre-Filter und optionalem Passwort
Guest-Link erstellen – mit Filter auf bestimmte Sterne, optional passwortgeschützt.

Guest-Links lassen sich mit einem Filter versehen, sodass das Model nur die vorausgewählten Bilder sieht – nicht den kompletten Rohschnitt mit geschlossenen Augen und schiefen Horizonten.

StarRate ist kostenlos im Nextcloud App Store verfügbar, Open Source, läuft auf Nextcloud 29 bis 33. Code auf GitHub. Eine Android-App ist in Entwicklung.


Wie läuft das bei euch nach einem Shooting – wartet ihr auf Feedback oder habt ihr einen eigenen Weg gefunden?

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